— Interview mit Aldiana Geschäftsführerin Stefanie Brandes

Stefanie Brandes
Aldiana Geschäftsführerin Stefanie Brandes

Erst einmal möchten wir natürlich mehr über dich erfahren. Die Geschäftsführung von Aldiana hast du vor gut einem Jahr im November 2018 übernommen. In den Jahren 2010-2015 warst du bereits in leitender Position bei Aldiana tätig. Anschließend hast du knapp drei Jahre als Direktorin Marketing & Sales beim größten Mitbewerber, Robinson Club, gearbeitet. Wir können also davon ausgehen, dass du die Entscheidung, als Geschäftsführerin zu Aldiana zurückzukehren, sehr bewusst getroffen hast.

Was macht für dich das Arbeiten für Aldiana so attraktiv? Was liebst du an Aldiana?

Ich würde mich als Clubhotellerie-Kind bezeichnen. Seit über 10 Jahren arbeite ich im Clubsegment und fühle mich hier sehr wohl. Zu Aldiana zurückzukehren und hier die Geschäftsführung zu übernehmen, war für mich eine einmalige Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich bin mit Aldiana „groß geworden“. Meinen ersten Aldiana Urlaub durfte ich mit 14 Jahren erleben und bin seit dem „infiziert“.

Die 10 Clubanlagen von Aldiana sind auf 6 Länder in Europa aufgeteilt. Insgesamt arbeiten 2.500 Menschen verschiedener Kulturen für Aldiana. Die Herausforderungen sind groß. Einerseits soll der Gast ja immer die gleichbleibend hohe Aldiana-Qualität und das Aldiana-Feeling erleben, andererseits werden ja auch die Besonderheiten jedes einzelnen Landes spürbar.

Ist es für dich als Geschäftsleitung eher Herausforderung oder Bonus das alles im Blick zu behalten und angemessen zu transportieren?

Definitiv beides und das macht genau den Reiz aus. Unser Erfolgsrezept ist es, dass wir die Aldiana-Qualitätsstandards sicherstellen und dennoch unseren Clubchefs in den Resorts genügend Freiraum geben, um die persönliche Note des Clubs und des Landes einfließen zu lassen. Das ist nicht nur authentisch für die Gäste, sondern auch eine große Motivation für die Kollegen, hier mitwirken zu können.

Jetzt aber zu Undercover Boss …

Besonders interessiert uns natürlich, wie sich das anfühlt, im Mittelpunkt eines solchen Fernsehdrehs zu stehen. Wirst du auf der Straße erkannt? Oder von Mitarbeitern und Bekannten darauf angesprochen?

Aldiana Undercoverboss

Nachdem das Finale im August 2019 abgedreht war, durfte ich „endlich“ darüber sprechen und die Kollegen haben mit viel Humor und Fragen darauf reagiert.

Völlig überwältigt war ich von den Reaktionen der Bereiche, in denen ich gearbeitet habe. Zum Beispiel war ich ein paar Wochen nach dem Dreh dienstlich in Andalusien und die Hausdame bat mich, ob ich in die Wäscherei komme, da sie mich allen Zimmermädchen vorstellen möchte. Die Kolleginnen waren stolz, dass ihr Bereich so ernst genommen wird und ich mir die Mühe gemacht habe, dort zu arbeiten, um ihren Job besser zu verstehen.

Die Sendung selbst habe ich zusammen mit vielen Kollegen und Gästen im Aldiana Club Ampflwang geschaut, was unbeschreiblich schön war. Tatsächlich bin ich am nächsten Tag an der Tankstelle sowie beim Einsteigen ins Flugzeug von der Crew angesprochen worden.

Nein, das mach ich niemals…

Es gehört eine Portion Mut und Selbstbewusstsein dazu bei Undercover Boss mitzumachen. Man exponiert sich und weiß ja auch zunächst nicht, welche Figur man selber in diesen Ausnahmesituationen macht. Wieviel Respekt hattest du vor dem Dreh, was war deine größte Sorge? Und wie hat dein Partner und Freunde reagiert – haben sie eher zu- oder abgeraten?

Ich hatte und habe großen Respekt vor der Aufgabe. Mein erster Gedanke, als RTL auf mich zukam war, „Nein, das mache ich niemals“. Auch wenn man denkt, im Fernsehen ist alles gefaked, kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass dies nicht stimmt. Ich wusste weder, mit welchem Kollegen ich zusammenarbeiten würde, noch wo ich wann eingesetzt werde. Diese Entscheidung oblag ganz alleine der Produktionsfirma. Natürlich geht es bei dem Format darum, dass der Chef scheitert und diesen Gedanken für mich persönlich zuzulassen, war eine größere Herausforderung für mich.

Mit Freunden durfte ich nicht sprechen, da das Format von der Geheimhaltung lebt. Lediglich meine beste Freundin und meinen Mann durfte ich einweihen. Beide haben mir zugeraten. Ohne deren Zuspruch hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht.

Offensichtlich hast du keine Berührungsängste gegenüber den Mitarbeitern, egal aus welcher Abteilung. Warst du darauf vorbereitet, wirklich “ganz unten” anzufangen? Also als Zimmermädchen oder Küchenhilfe zu arbeiten? Und wie anstrengend fandest du die ungewohnte körperliche Arbeit?

Aldiana Club Kreta

Es liegt in meinem Naturell, auf Menschen zuzugehen und es macht mir Freude, die unterschiedlichsten Menschentypen kennenzulernen.

Gerne möchte ich den Begriff „ganz unten“ korrigieren, das klingt für mich etwas abwertend. Es gibt unterschiedliche Aufgaben. Jede einzelne Tätigkeit ist wichtig, sonst würde das Gesamtprojekt Hotel nicht funktionieren. Jeder hat seine Berechtigung und Notwendigkeit und darin sind die Kollegen Profis.

Es war für mich ein einmaliges Erlebnis, hier ungeschönt einen authentischen Einblick erhalten zu dürfen.

Sehr beeindruckt hat uns, mit welch professionellem Pokerface du die Wiederbegegnung mit deinen “Chefs” aus den Clubs gemeistert hast. Hast du das wirklich direkt so perfekt hinbekommen oder musste hier mehrmals gedreht werden?

Die Anforderung war, tatsächlich „in einem Rutsch“ zu drehen, egal was passiert. Das Pokerface war schwierig, hat aber auch jede Menge Spaß gemacht.

Auf das Finale habe ich mich besonders gefreut. Ich habe mir während der Reise viele Notizen über die Kollegen gemacht, so dass ich sehr persönlich das Feedback geben konnte. Jedes Finale dauerte ca. 1,5 Stunden. Im Fernsehen sehen wir lediglich einen Ausschnitt, so dass ich in der gesamten Zeit sehr individuell auf die Kollegen eingehen konnte. Das war toll. Menschen eine Freude bereiten zu dürfen und dann in ihre Augen zu schauen und zu sehen, sie freuen sich, war für mich das Größte.

… werfe seit dem Einsatz kein Handtuch mehr auf dem Boden …

Zu Beginn deiner Folge Undercover Boss sagst du, dass du dich auf die Chance freust, in den Arbeitsalltag der Kollegen vor Ort einzutauchen. Du warst daran interessiert, was die Kollegen bewegt und welche Verbesserungen gegebenenfalls notwendig sind. Im Laufe der Sendung sieht man, dass du tatsächlich sehr persönliche Geschichten erfährst.

Hast du darüber hinaus wirklich Erkenntnisse gewinnen können, die sich in konkrete Veränderungen / Verbesserungen ummünzen lassen?

Ja, definitiv.

Aldiana Club Ampflwang - Stefanie Brandes

In der Sendung sieht man nur einen Bruchteil der Themen. Wir haben ja schließlich 14 Tage am Stück 10-14 Stunden pro Tag gedreht. Da kommt schon eine ganze Menge zusammen.

Beispielsweise bin ich das Thema Plastikbecher angegangen. Wir verbannen gerade die Plastikflaschen aus unseren Clubs und ersetzen diese durch Wasserspender-Stationen. Einen Plastikstrohhalm möchte ich auch nicht mehr bei uns sehen. Dazu kommt, dass ich kurzerhand entschieden habe, dass wir die Zahnputzgläser nicht reinigen (was zwar korrekt ist), sondern diese immer austauschen. Dazu kommen Kleinigkeiten, wie ein zusätzlicher Kühlschrank in der Patisserie auf Kreta (Dieser Tag wurde leider nicht gezeigt), oder auch eine Rückenschulung für die Zimmermädchen zum Stärken der Muskulatur.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang ein Thema: Jedes Hotel auf der Welt schreibt „wenn du dein Handtuch gewechselt haben möchtest, lege es auf dem Boden“. Für mich stellt sich die Frage: Warum? Jedes Bücken bedeutet eine Anstrengung für die Zimmermädchen. Wir prüfen gerade, wie wir dies umstellen können. Ich persönlich werfe seit dem Einsatz kein Handtuch mehr auf dem Boden, sondern lege es über das Waschbecken, die Badewanne o.ä. – auf jeden Fall in Augenhöhe, damit sich die Zimmerdame nicht bücken muss. Und ja, für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, Trinkgeld zu hinterlassen.

Last but not least … Wie bewertest du die Erfahrung Undercover Boss. Hat dich das nachhaltig weitergebracht, deinen Horizont wirklich erweitert? Würdest du anderen Chefs dazu raten, dieses Experiment zu wagen?

Im täglichen Arbeiten kann man viele kleine Dinge verbessern. Viele dieser Themen schaffen es leider nicht bis zur Geschäftsführung. Daher war die Zeit so wertvoll für mich. Es war eine absolute Bereicherung für mich.

Neben vielen Verbesserungsvorschlägen habe ich tolle Ideen sammeln können, denen ich jetzt sehr gerne nachgehe. Davon abgesehen, dufte ich einmalige Menschen kennenlernen und last but not least habe ich viel über mich persönlich gelernt. Ich möchte keine Sekunde missen und kann es jedem Geschäftsführer nur empfehlen, unabhängig von Undercover Boss, einmal ins Unternehmen einzutauchen. Es ist an Wertschätzung, Erfahrung und Freunde nicht zu überbieten.


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Bildquellen: TVNOW

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